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Kingsglaive: Final Fantasy XV Filmkritik (German) By André Mackowiak on September 4, 2016 at 1:32 PM


Diese Rezension enthält keine größeren Spoiler und basiert auf der englischen Version des Films.

Final Fantasy und Filme haben eine lange gemeinsame Geschichte, die sich bisher schon über 11 Jahre erstreckt. Als Squaresoft damals mit Final Fantasy: Die Mächte in dir den ersten Film ins Rennen schickte, waren viele Fans enttäuscht. Was hatte das mit “Final Fantasy” zu tun? Als es Square Enix ein paar Jahre mit Final Fantasy VII: Advent Children erneut versuchte, wurde es für den Fan Service gelobt, hatte als echter Spielfilm jedoch deutliche Defizite.

Es war im Jahr 2013, in dem das Spielprojekt Final Fantasy Versus XIII in Final Fantasy XV umgewandelt wurde. Zu dieser Zeit beschloss Regisseur Takeshi Nozue und sein Team von Square Enix Visual Works, einen Teil der Spielgeschichte in Filmform zu erzählen. Kingsglaive: Final Fantasy XV ist ein Teil des Spieluniversums, der zusammen mit der Animeserie Brotherhoods: Final Fantasy XV die Hintergrundgeschichte des Spiels nahebringen soll, jedoch laut Square Enix auch als eigenständiger Film funktionieren soll.

Kingsglaive erzählt von dem Krieg zwischen den Königreichen Lucis und Niflheim. Niflheim hat es auf den magischen Kristall abgesehen, der seit Jahrhunderten König Regis Lucis Caelum CXIII und seiner Königsgarde, den Kingsglaive, übersinnliche Kräfte verleiht. Der Kristall schützt mit einer magischen Barriere außerdem die Hauptstadt Insomnia, das letzte Refugium von Lucis.

XV_01Nach einer weiteren erfolglosen Großoffensive durch Niflheim schlägt dessen Kanzler Ardyn Izunia einen Friedensvertrag für beide Völker vor. Doch während vordergründig alles nach einem ersehnten Frieden aussieht, schmiedet Niflheim heimlich dunkle Pläne, um Lucis endlich zu vernichten und den Kristall zu stehlen. Die Bedrohung muss letztendlich durch die Gruppe der Kingsglaive abgewendet werden, die mit Hauptprotagonist Nyx Ulric im Zentrum der Handlung steht.

Allem voran ist die grandiose Optik des Films zu nennen. Seit dem visuell opulenten Final Fantasy VII: Advent Children aus dem Jahr 2005 hat Visual Works keinesfalls geschlafen, sondern weiterhin an fantastischen Zwischensequenzen für die Spieleserie Final Fantasy oder etwa Dragon Quest, Deus Ex und Hitman gearbeitet.

Mit den westlichen 3D Studios Digic Pictures, die an Videos zu Spielen wie Assassin’s Creed, Warhammer, Darksiders oder Mass Effect mitgewirkt haben und mit Image Engine, die an zahlreichen Film- und Serienprojekten wie Stargate, Game Of Thrones, Jurassic World und Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind beteiligt sind, hat sich Square Enix zusätzliche Spezialisten mit ins Boot geholt.

In einem sehr komplexen Verfahren wurden die Gesichter und Körper der Models bzw. Schauspieler für Kingsglaive zuerst eingescannt und anschließend wurden über ein Jahr hinweg insgesamt fünf Wochen lang die Filmszenen per Motion Capturing aufgenommen.

Das Ergebnis ist einfach phänomenal. Nie zuvor sahen Protagonisten in computergenerierten Szenen so lebensecht, so detailliert aus wie in Kingsglaive: Final Fantasy XV. Von den kleinen Fältchen in den Augenwinkeln des Kingsglaive Nyx, bis zu den kleinen Details in Prinzessin Lunafreyas Kleidung oder den einzelnen Haaren im Fell eines Behemoth – alles ist wirklich fotorealistisch.

XV_01“Eine Fantasie, basierend auf der Realität“ ist das Motto von Final Fantasy XV und der Film trägt und verkauft es unheimlich gut. Riesige Monster, Zaubersprüche und magische Waffen treffen auf eine Welt, die mit Autos, Handys, Kleidung und Architektur in vielerlei Hinsicht an unsere heutige Realität erinnert. Diese Contemporary Fantasy weiß ähnlich wie bei Harry Potter sehr zu faszinieren.

Doch visuell spricht der Film nicht nur Nicht-Spieler an, sondern ist natürlich insbesondere an die Fangemeinde der Final Fantasy-Spielserie gerichtet, für die haufenweise Gimmicks und Eastereggs in Kingsglaive enthalten sind. Mit dabei sind z.B. klassische Monster wie Cerberus, Behemoth, Ultros oder Diamond Weapon aus Final Fantasy VII. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, dass euch an Final Fantasy erinnert.

Die Actionszenen sind das Herzstück des Films und wirklich toll inszeniert. Es macht einfach Spaß, sie anzuschauen und zu genießen. Dabei werden nicht nur Kriegsszenen gezeigt, sondern auch Verfolgungsjagden geboten, Kämpfe gegen Bossgegner oder persönliche Fights. Der brachiale, virtuos gestaltete Showdown am Ende des Films ist wirklich etwas, auf das man sich freuen darf.

Die Geschichte des Films selbst kann leider nicht mit der tollen Optik mithalten. Für mich selbst war die erste Hälfte des Films storytechnisch am interessantesten, weil sie einerseits die Kingsglaive vorstellt, aber auch die Zeremonie des Friedensvertrages und die dunklen Pläne von Niflheim sehr spannend inszeniert. Die zweite Hälfte ist dagegen deutlich actionlastiger.

Obwohl der Film den Titel “Kingsglaive” trägt, sind die Mitglieder der Gruppe leider zu schlecht skizziert und wir wissen zu wenig über die Hintergründe und Motive. Häufig wird von der zerrütteten Heimat oder der schweren Kindheit gesprochen, aber nicht mehr dazu gezeigt, sodass ein richtiges Gefühl für die Protagonisten dadurch nur schwer aufkommen will. Hauptprotagonist Nyx Ulric ist der typische „Ich tue alles für die anderen“ Held, der nahezu unfehlbar ist. Interessanter ist da schon eher Hitzkopf Libertus Ostium, der eine kleine Entwicklung während des Films durchmacht.

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Im Film lernen wir aber auch Regis kennen, der tatsächlich ein sehr fürsorglicher und väterlicher König ist. Lunafreya dagegen hat auf den ersten Blick eine sehr sanfte und ruhige Persönlichkeit, ist jedoch tatsächlich eine starke Frau und gelegentlich sogar richtig starrköpfig. Es wird spannend sein zu sehen, wie sie sich im Verlauf des Spiels verhalten wird.

Für viele Fans bleibt natürlich die Frage: Muss ich den Film gesehen haben, bevor ich Final Fantasy XV spiele? Die kurze Antwort lautet: Vielleicht. Der Film beleuchtet ein wenig mehr die Motive Niflheims, zeigt euch mehr zur Hintergrundgeschichte von König Regis und der Geschichte von Lunafreyas Familie. Es ist natürlich interessant und gut, diese Informationen aus dem Film mitzunehmen, allerdings sind sie bestimmt nicht essentiell, um das Spiel zu genießen.

Abschließend noch ein paar Worte zur Musik und zur Synchronisation des Films. John R. Graham und Yoko Shimomura haben tolle Arbeit geleistet. Graham weiß die Spannung und Action des Films gekommt zu untermalen und überraschte mich durch die etwas exotischen Klänge in den urbanen Teilen von Insomnia. Spätestens wenn jedoch Somnus Nemoris von Yoko Shimomura während der Friedenszeremonie gespielt wird, weiß man als Fan einfach: „Das ist Final Fantasy XV“.

Aaron Paul, Sean Bean und Lena Headey leisten sehr überzeugende Arbeit als Nyx, King Regis und Lunafreya, aber der heimliche Star ist wahrscheinlich Darin De Paul, der in seiner Rolle als mysteriöser und verschlagener Ardyn Izunia mit vollem Herzen aufgeht.

Während ich den gesamten Film auf Englisch gesehen habe, konnte ich auf der Gamescom die ersten 12 Minuten auf Deutsch anschauen. Ich war tatsächlich sehr positiv von der deutschen Synchronisation zu Kingsglaive überrascht. Ich hatte das Niveau einer mittelmäßigen deutschen Animevertonung erwartet, aber Sony Pictures spendierte dem Film ein sehr professionelles Sprecherteam.

Fazit:

Mir hat Kingsglaive: Final Fantasy XV richtig gut gefallen. Es sieht phänomenal aus, hat tolle Actionszenen und interessante Wendungen. Takeshi Nozue und sein Team haben einen wundervollen Prolog zum Spiel geschaffen. Leider sind die vielen Charaktere und ihre Hintergründe im Film nicht ausreichend ausgearbeitet, was die Sympathie gegenüber den Protagonisten und das Verständnis der Geschichte deutlich schmälert. Insgesamt haben mir die Invasion zu Beginn von Final Fantasy XV und die nachfolgenden Ereignisse jedoch deutlich Lust auf mehr gemacht und ich kann kaum erwarten, was im Spiel passiert.

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